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Schule | Kinder


Was verdient ein Bäcker?

Die Klasse 4c der Grundschule Neuhaus auf Exkursion zu drei Regionalanbietern in Schliersee

 



Eine Kundin, die noch schnell ihre Fahrkarte im nagelneuen Schlierseer Regionalmarkt "Wir machen das selbst" neben dem Bahnhof erstehen möchte, schaut etwas mitleidig, als sie die ganze Schulklasse voller Neun- und Zehnjähriger in den Laden strömen sieht. Inhaber Wolfgang Nolte aber steht ungerührt lächelnd vor der auch für ihn neuen Aufgabe, seiner zukünftigen potenziellen Klientel die Wirtschaftlichkeit der lokalen Märkte zu erklären. Seinen erwarteten Vortrag zurrt er kindgerecht auf zwei Minuten zusam-men und erklärt, in seinem Geschäft gäbe es so viele Sachen wie möglich aus der Region:
»Denn gute Lebensmittel sind das,
was man braucht, um gesund zu leben.«


Das zu beurteilen, sind die Kinder hier, und von Nolte eingeladen, aus Obst, Getreideflocken und Biomilch ihr eigenes Müsli zusammenzustellen. »So was esse ich jeden Morgen«, erklärt Luisa ungerührt.
»Wir haben auch Kühe daheim, da brauchen wir keine Milch kaufen«, sagt Martin.


»Mein Vater hat eine eigene Metzgerei« – für Sophia ist der köstliche Schinken, den sie mitgebracht hat und großzügig mit den anderen teilt, selbstverständ-lich, während sich Julian und Florian-Pascal eine halbe Flasche Apfelsirup über das frische Obst gießen.
»Die Kinder wissen erstaunlich gut Bescheid über zu lange Transportwege und Umweltbelastung, Mülltren-nung und Bioprodukte«, hat die Klassenlehrerin Maria Kravanja bei der Vorbereitung für diese kleine Exkur-sion beobachtet, »aber was sie gern essen oder liegen lassen und ob sie die gute Qualität von Lebensmitteln schmecken und einschätzen können, hängt wohl eher von den Einkaufsgewohnheiten zu Hause ab.«

»Was verdient ein Bäcker?« Bei dieser Frage von Florian in der letzten Reihe im Verkaufsraum der Bäckerei Zanger zuckt Frau Kravanja später doch ein kleines bisschen zusammen. Die Klasse ist weiterge-zogen, um beim Bruder der Lehrerin etwas über das lokale Bäckerhandwerk zu erfahren. »Ungefähr doppelt so viel wie ein normaler Arbeiter.« Fritz Zanger findet die Frage überhaupt nicht zu deutlich. Der Bäckermeister in der fünften Generation be-schreibt das Nischendasein von handwerklichen Betrieben und wie wichtig die Stammkunden heute sind. Doch für ihn ist es nicht nur ein persönliches Interesse, dass es noch kleine Bäckereien gibt, son-dern seine innerste Überzeugung:
»Das Bäckerhandwerk ist eine Leidenschaft von mir. Wenn man kleine Mengen produ-ziert, ist das gut für den Geschmack. Wir wahren kleine Strukturen, durch uns sind noch Leute am Ort beschäftigt.«


»Wieso ist das wichtig?«, fragt Katharina erstaunt. »Damit nicht alle nach München in die Arbeit müs-sen.«
Die Kinder interessieren sich für Zahlen: 4000 Bröt-chen produziert die Bäckerei Zanger täglich, ein Brot braucht ohne chemische Zusätze 24 Stunden in der Herstellung. 17 Beschäftigte, davon acht Bäcker, sind hier angestellt. »Wir kaufen unsere Rohstoffe alle aus der Region und verzichten auf industrielle Backhilfen. Je nach den Temperaturen, die draußen herrschen, schmeckt das Brot bei uns jeden Tag ein bisschen anders. Als Handwerker schaffe ich's nicht, dass immer alles gleich schmeckt. Aber dadurch wird es dem Kunden nie langweilig.«

Bei der Butterherstellung auf dem Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Hof der Familie Hirtreiter, etwas weiter oben im Dorf, sind es eher die quiekenden Schweine und die auf dem Misthaufen hintereinander her wat-schelnden Gänse, für die sich die Kinder begeistern.
Theorie hatten sie jetzt genug. Ob die Butter aus Süß- oder Sauerrahm hergestellt hochwertiger ist oder besser schmeckt, scheint jetzt nicht mehr so interes-sant, wie sich auf einem abgestellten Kutschbock hin und her zu schubsen.

Frau Hirtreiter demonstriert geduldig und ein bisschen streng, warum diese handwerkliche Arbeit so aufwen-dig ist, dass der Verkauf der Butter gar nicht lohnt. Sie macht das für ihre Hausgäste. Und obwohl sie heute wirklich mehr als genug zu tun hat bei ihrem in der Hochsaison voll belegten Hof und 40 Frühstücks-gästen, nimmt sie sich Zeit für die Klasse: »Die Maria Kravanja hat mich angerufen, und ich unterstütze das gern, wenn die Lehrer nicht alles nur in den Klassen-räumen vermitteln, sondern mit den Kindern raus-gehen. Die müssen doch wissen, wie viel Arbeit in unseren Nahrungsmitteln steckt.«

Belohnt wird Frau Hirtreiter für ihren Einsatz dann doch noch: durch die laute Begeisterung, in der sich alle auf die Brotstücke mit der soeben fertig gebutterten und mit einem Löffelmuster verzierten Bauernhofbutter stürzen.
Was nun eine Region genau ist und was regionale Lebensmittel bedeuten, darauf können Antonia und Julia, die sich noch ein zweites Stück ergattern, jetzt zur frühen Mittagszeit und gegen Ende der Exkursion, immer noch keine ganz plausible Erklärung finden. Aber sie wundern sich vergnügt, warum ihnen dieses Butterbrot doch wirklich ausgezeichnet schmeckt.




Isst jeden Tag Müsli: Luisa, 9 Jahre






Lädt die Klasse 4c zum Müsliessen ein: Wolfgang Nolte, Regionalmarkt Schliersee "Wir machen das selbst"






Besuch auf dem Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Hof der Familie Hirtreiter. Die Bäuerin zeigt den Kindern den Sauerrahm.